22.09.2026 / Cyber Defence

Cyber Security wird zur militärischen Schlüsselkompetenz – auch im All

Cyber Security wird zur militärischen Schlüsselkompetenz – auch im All

Die Bedeutung resilienter Weltraumsysteme wächst: Cyber Security von Weltrauminfrastruktur wird zu einer zentralen Voraussetzung, um militärische Infrastrukturen resilient zu betreiben und Einsätze im Zeitalter zunehmender Digitalisierung sicher zu führen. Das unterstreicht die Schweizer Armee mit der «Gesamtkonzeption Weltraum». Erfahren Sie im Blogbeitrag, wie moderne Weltraumsysteme aufgebaut sind, welche Angriffsszenarien denkbar sind und wie ein zuverlässiger Schutz dieser kritischen Systeme aussehen kann.

Mitten in einem militärischen Einsatz reisst die Satellitenverbindung ab. Navigationsdaten stehen nicht mehr zur Verfügung, aktuelle Lagebilder bleiben aus. Was zunächst wie ein technischer Defekt wirkt, kann das Ergebnis eines Cyber-Angriffs auf die Weltrauminfrastruktur sein.

Mit jedem weiteren Satelliten im All nehmen die Risiken solcher Angriffe zu. Mittlerweile befinden sich weit über 10'000 Stück im Orbit. Sie bilden die Grundlage für Navigation, Kommunikation, Wettervorhersagen, Erdbeobachtung, Katastrophenschutz und Aufklärung. Damit sind Satelliten aus zahlreichen wichtigen Anwendungen nicht mehr wegzudenken.

Kritische Infrastruktur im All

Am Beispiel von Starlink zeigt sich, wie fliessend dabei die Grenzen zwischen militärischer und ziviler Nutzung sind. Das mit Abstand grösste Satellitennetz dient der gesellschaftlichen Kommunikation und bringt das Internet in entlegenste Gegenden. Gleichzeitig wird es für militärische Zwecke eingesetzt, etwa im Ukrainekrieg. 

Für Streitkräfte ist die Verfügbarkeit weltraumgestützter Dienste längst von strategischer Bedeutung und zunehmend eine Voraussetzung dafür, dass sie ihre Aufgaben unter anspruchsvollen Bedingungen erfüllen können. Werden diese Systeme gestört oder manipuliert, kann dies die militärische Handlungsfähigkeit unmittelbar beeinträchtigen.

Bund investiert 850 Millionen in den Weltraum

Mit der Gesamtkonzeption Weltraum trägt die Schweizer Armee dieser Entwicklung Rechnung. Ziel ist es, den Weltraum als strategische Operationssphäre zu erschliessen und sicherheitsrelevante Dienste langfristig zuverlässig nutzen und schützen zu können. 

Im Zentrum stehen fünf Bereiche: Lagebild, Erdbeobachtung, Telekommunikation, Präzisionsnavigation sowie der Schutz eigener und die Beeinträchtigung gegnerischer weltraumgestützter Systeme. Dabei sollen bestehende Abhängigkeiten von kommerziellen und internationalen Anbietern reduziert und die Resilienz der eigenen Fähigkeiten gestärkt werden. 

Der Bund will in den nächsten 12 Jahren rund 850 Millionen Franken in das Projekt investieren. Ein wichtiger Schritt erfolgte am 1. Januar 2026 mit der Bildung des Kompetenzzentrums Weltraum. Es bündelt innerhalb der Armee die Kompetenzen für die Konzeption, Entwicklung, Ausbildung und Anwendung der entsprechenden Fähigkeiten und koordiniert den systematischen Aufbau. 

CyOne_Wirkungsraeume

Der Weltraum ist ein eigener Wirkungsraum der Schweizer Armee und gewinnt für ihre Verteidigungsfähigkeit zunehmend an Bedeutung.

Mit der Vernetzung wächst die Angriffsfläche

Mit dem neuen Kompetenzzentrum erhält der Weltraum innerhalb der Schweizer Armee eine organisatorische Verankerung. Dies ist dringend notwendig, denn moderne Weltraumsysteme sind komplex. Sie bestehen nicht nur aus Satelliten im Orbit. Vielmehr sind sie Informationsverbünde aus Satelliten, Antennenanlagen, Bodenstationen, Kontrollzentren und Datennetzwerken. Da all diese Komponenten miteinander vernetzt sind, ist die Angriffsfläche entsprechend gross.

Mögliche Angriffsszenarien reichen von der Manipulation von Sensordaten über die Störung von Kommunikationsverbindungen bis hin zur Übernahme einzelner Satelliten. Besonders kritisch ist dabei die Infrastruktur auf der Erde: Bodenstationen stellen häufig ein schwaches Glied innerhalb des Informationsverbunds dar und benötigen deshalb besonderen Schutz.

Cyber Security muss von Anfang an mitgedacht werden

Die besonderen Eigenschaften von Weltraumsystemen erfordern bereits in der Entwicklungsphase einen ganzheitlichen Ansatz. Satelliten lassen sich nach dem Start nur eingeschränkt aktualisieren oder physisch warten. Schwachstellen können deshalb über viele Jahre bestehen bleiben. Das macht deutlich: Cyber Security muss von Anfang an ein integraler Bestandteil der Systemarchitektur sein.

Ein ganzheitlicher Sicherheitsansatz berücksichtigt sämtliche Komponenten eines Weltraumsystems, von der Hardware über die Software bis hin zu Kommunikationsverbindungen und Betriebsprozessen:

  • «Security by Design» bereits bei der Architektur und Entwicklung

  • Quantensichere Verschlüsselung

  • Einfache Integration in die bestehende IT-Infrastruktur

  • Kontinuierliche Überwachung der Systeme

  • Sicheres Lifecycle- und Patch-Management

Gerade im Weltraum gilt: Sicherheit lässt sich bestenfalls nachrüsten, wenn sie von Anfang an Teil der Entwicklung ist. So entstehen resiliente Weltrauminfrastrukturen, die den Anforderungen moderner Verteidigungssysteme langfristig gerecht werden. Die Cyber-Sicherheit von Weltraumsystemen ist nicht nur auf die Satelliten in der Umlaufbahn beschränkt, sie umfasst auch die Lieferketten, die Benutzer- sowie die Boden- und Weltraumsemente während des gesamten Produktzyklus. 

Wie im Weltraum spielt die Supply Chain-Sicherheit auch bei der CyOne Security eine wichtige Rolle. Lieferketten sind höchst vulnerable, wenn man bedenkt, dass oftmals verschiedene globale Player involviert sind – von der Fertigung über die Systemintegration bis zur Wartung.

Es ist wichtig bei der Prüfung von Geschäftspartnern, nicht nur Aspekte wie Lieferzuverlässigkeit und Qualität zu beachten, sondern auch Sicherheitsaspekte. Erfahren Sie im Whitepaper «Supply Chain Security: Damit Lieferanten und Partner nicht zur Bedrohung werden» mehr zur zentralen Bedeutung sicherer Lieferketten.