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Fachwissen ist entscheidend: «Man darf der KI nicht blind vertrauen»

Geschrieben von Tanja Dahinden | 09.06.2026 06:30:00

Die praxisnahe und vielseitige Informatiklehre schafft bei der CyOne Security die Grundlage für einen gelungenen Einstieg ins Berufsleben. Aktuell absolvieren acht Lernende ihre Ausbildung zum Informatiker EFZ und erhalten dabei Einblick in unterschiedliche Fachbereiche. Ziel ist es, theoretisches Wissen früh mit praktischen Erfahrungen zu verbinden und sich Schritt für Schritt auf den Berufsalltag vorbereiten zu können.

Seit dem vergangenen Sommer gehören auch Tom und Thierry zum Lernenden-Team der CyOne Security. Im Interview erzählen die beiden, wie sie den Einstieg in die Berufswelt erlebt haben, welche Projekte und Technologien sie aktuell beschäftigen und weshalb sie überzeugt sind: Auch in Zeiten von Künstlicher Intelligenz bleiben Grundlagenwissen, kritisches Denken und die Freude am Lösen von Problemen entscheidend.

Tom und Thierry, ihr habt im letzten August eure Berufslehre als Informatiker EFZ gestartet. Wie habt ihr den Übergang von der obligatorischen Schulzeit in die Arbeitswelt erlebt?

Tom: Der Einstieg war zunächst noch recht schulnah. Ich hatte viele überbetriebliche Kurse (ÜKs) und war deshalb am Anfang noch nicht so häufig hier im Betrieb. Die Berufsschule ist natürlich anders aufgebaut als die obligatorische Schule, mit neuen Fächern und anderen Schwerpunkten.

Im Arbeitsalltag war für mich zu Beginn besonders neu, dass man selbstständiger arbeitet und mit flexiblen Arbeitszeiten mehr Eigenverantwortung hat. Ich konnte bereits früh an konkreten Aufträgen arbeiten und mein Wissen anwenden, zum Beispiel bei der Installation eines Single Sign-On. Es motiviert mich, das Gelernte direkt in der Praxis einzusetzen.

Thierry: Bei mir war der Übergang auch eher fliessend. Im ersten Semester hatte ich ebenfalls Berufsschule und viele ÜKs. Dadurch fühlte sich die Umstellung nicht besonders gross an. Jetzt im zweiten Semester bin ich in der Projektphase und daher vermehrt im Betrieb.
Die durch die Gleitzeiten gewonnene Flexibilität finde ich ebenfalls positiv. Und natürlich ist es auch erfreulich, in der Lehre eigenes Geld zu verdienen.

Welche Erwartungen hattet ihr vor dem Berufseinstieg – und wurden sie erfüllt?

Thierry: Die ÜKs habe ich mir ursprünglich praktischer vorgestellt. Tatsächlich waren sie teilweise theoretischer als erwartet. Die Berufsschule habe ich mir schwieriger vorgestellt.

Tom: Ich habe erwartet, dass man in der Informatik relativ schnell über die Basics hinauskommt – genau so ist es auch. Die Lehre entspricht sehr stark meinen Vorstellungen. Mich haben schon immer Coding und das Verständnis für Computer interessiert.

Weshalb habt ihr euch für die Informatiklehre entschieden?

Tom: Mich fasziniert Programmieren. Ich game auch gerne und Games bestehen letztlich ebenfalls aus Code. Es ist spannend zu verstehen, wie solche Systeme funktionieren oder wie man selber Netzwerke aufbauen kann. Vor der Lehre habe ich auch im kaufmännischen Bereich geschnuppert, aber die Informatik hat mich deutlich mehr überzeugt.

Thierry: In der dritten Sekundarstufe hatte ich einen sehr guten Informatiklehrer. Wir durften eine eigene Website entwickeln, was mir grossen Spass gemacht hat. Ich habe mich auch über andere Berufslehren – Mediamatiker und Polymechaniker – informiert, aber die Informatik hat mir am meisten entsprochen.

Wie sieht euer Alltag im ersten Lehrjahr aus?

Thierry: Zurzeit arbeite ich mit einem Team daran, eine ältere Software zu modernisieren. Wir erweitern Funktionen und entfernen veraltete Bestandteile. Aktuell schreibe ich deshalb viel Code.

Tom: Ich arbeite hauptsächlich an Aufträgen, die ich anschliessend dokumentiere und mit meinen Berufsbildnern bespreche. Kürzlich durfte ich ausserdem bei der Durchführung von Schnupperlehren mithelfen und auch schon ein Notebook für einen Mitarbeitenden einrichten.

Was schätzt ihr besonders an eurer Ausbildung?

Tom: Ich finde die Lehre bei CyOne Security sehr vielseitig und interessant. In der Schule höre ich von anderen Lernenden teilweise, dass sie in ihrem Lehrbetrieb hauptsächlich Supportaufgaben übernehmen. Ich persönlich schätze es hingegen sehr, unterschiedliche Aufträge bearbeiten zu können und dadurch immer wieder neue Themen zu erarbeiten.
Auch das Arbeitsumfeld gefällt mir: die Cafeteria, die ruhigen Arbeitsplätze und natürlich die interessanten Fachthemen. Besonders spannend finde ich die Module zu Netzwerken.

Thierry: Programmieren finde ich sehr spannend, weil es immer wieder anders ist. Dadurch wird es nicht monoton. Gleichzeitig eröffnet eine Informatiklehre viele Möglichkeiten für spätere Weiterbildungen.

Ihr habt in eurer Ausbildung die Fachrichtung Plattformentwicklung respektive Applikationsentwicklung gewählt. An welchem Projekt habt ihr bisher am liebsten gearbeitet?

Tom: Besonders in Erinnerung geblieben ist mir ein Projekt gemeinsam mit anderen Lernenden für eine Berufsschau. Hierfür wurde ein Netzwerk aufgebaut und ein selbst programmiertes Spiel präsentiert. Das fand ich beeindruckend.

Thierry: Mein bisheriges Highlight ist das erwähnte Software-Erneuerungsprojekt. Privat habe ich ausserdem schon einmal ein eigenes Spiel programmiert. Auch das war eine spannende Erfahrung.

Welche Technologien interessieren euch besonders?

Thierry: Ich finde .NET MAUI zur Entwicklung von Applikationen interessant. In der Schule haben wir damit eine Fahrplan-App entwickelt. Diese konnte sich per Bluetooth mit anderen Geräten verbinden und Standorte auslesen.

Tom: Netzwerke finde ich sehr spannend, auch Docker interessiert mich. Damit kann man Container erstellen und Systeme flexibel aufsetzen, beispielsweise Serverumgebungen.

Wie erlebt ihr die Zusammenarbeit?

Tom: Sehr positiv. Die Zusammenarbeit funktioniert gut.

Thierry: Das sehe ich genauso. Besonders wichtig sind gute Absprachen, wenn mehrere Personen gemeinsam an Dokumenten oder Projekten arbeiten. Mit unseren Berufsbildnern sind wir regelmässig im Austausch.

Unterstützt ihr euch gegenseitig?

Tom: Ja, wir Lernenden essen oft gemeinsam zu Mittag, spielen in den Pausen Uno und helfen uns gegenseitig bei Fragen weiter.

Thierry: Wenn Herausforderungen auftauchen, fragen wir uns gegenseitig um Rat. Ausserdem haben wir jeden Tag ein Scrum-Stand-up.

Welche Trends in der Informatik findet ihr aktuell spannend?

Tom: Künstliche Intelligenz (KI) und Virtual Reality (VR). Ich nutze selbst VR zum Gamen und finde es sehr spannend, wie sich diese Technologien entwickeln. Auch in der Schule verwenden viele KI, zum Beispiel zur Vorbereitung von Vorträgen.

Thierry: Ja, KI erleichtert vieles und kann beim Programmieren unterstützen – Stichwort Vibe Coding. Gerade auch im Design oder bei SQL-Abfragen kann sie hilfreich sein und die Effizienz steigern. Gleichzeitig macht sie aber noch viele Fehler. Deshalb ist es wichtig, Ergebnisse kritisch zu prüfen und zu validieren.

Wird Künstliche Intelligenz auch im Unterricht thematisiert?

Tom: Ja, KI ist überall präsent. Auch Lehrpersonen nutzen sie.

Thierry: Im Unterricht lernen wir, KI aktiv einzusetzen, aber dass man ihr keinesfalls blind vertrauen darf. Unser Informatiklehrer thematisiert auch, was ein Informatiker heute können muss, damit er auch in Zukunft gefragt ist: Entscheidend bleibt das Fachwissen, das Know-how, was guten Code ausmacht, und zu erkennen, ob ein KI-Ergebnis sinnvoll ist. Wichtig ist zudem gutes Prompting.

Welche Ziele habt ihr für das zweite Lehrjahr?

Thierry: Ich habe mir noch keine konkreten Ziele gesetzt, möchte aber meinen guten Notendurchschnitt halten.

Tom: Mein Ziel bleibt es, gute Leistungen zu bringen und mich weiterzuentwickeln. Ich bin gespannt, welche Themen mich im zweiten Lehrjahr erwarten.

Was möchtet ihr künftigen Lernenden mitgeben?

Tom: Gut aufzupassen lohnt sich, besonders bei Grundlagenmodulen wie zum Beispiel Hardwarekomponenten. Ausserdem braucht es in der Ausbildung zum Informatiker Ausdauer und Geduld: Projekte dauern oft Wochen oder Monate und selten funktioniert alles sofort reibungslos. Interesse an Technik ist für angehende Informatiklernende sicher auch zentral.

Thierry: Lasst nicht alles von der KI erledigen. Die Grundlagen zu verstehen, bleibt entscheidend. Zudem muss als Informatiklernender nicht zwingend ein Mathegenie sein. Wichtiger finde ich persönlich abstraktes Denken.

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