Im Co-Referat der CyOne Security und des Medtech-Unternehmens SCHILLER an der 7. Information Security in Healthcare Conference in Cham wurde der hohe Stellenwert einer umfassenden «Security by Design» deutlich. Welche Erkenntnisse der Referent und Senior Security Consultant Stefan Frank im Austausch mit Vertretern der Schweizer Medtech-Branche gewonnen hat, erfahren Sie hier im Interview.

Im Rahmen von Sicherheitsanalysen detektieren die IoT Security-Experten der CyOne Security relevante Verwundbarkeiten in vernetzten Medizinprodukten und unterstützen Medtech-Hersteller, ihre Produkte von Anfang an umfassend gegen Cyber-Bedrohungen zu schützen.

Stefan Frank, wie sieht die Sicherheitslage in der vernetzten Medizintechnik in der Schweiz aus – welche Erkenntnisse hast du anlässlich der Information Security in Healthcare Conference gewonnen?

Aktuell sind die Betreiber von vernetzter Medizintechnik verbreitet noch damit beschäftigt, eine Ist-Analyse ihrer internen Netzwerke durchzuführen. Dabei geht es in diesem ersten Schritt darum, eine Inventur zu erstellen, das heisst einen Überblick zu erhalten, welche vernetzten Geräte vorhanden sind und wie diese in die vorhandenen Netzwerke eingebunden sind. Erstaunlicherweise fehlt diese Übersicht bis anhin in vielen Fällen. Aus unseren Gesprächen mit den Betreibern sind die Gründe für diese Versäumnisse mannigfaltig und grösstenteils nachvollziehbar: Fusion von Leistungserbringern, Kosten- und Zeitdruck, die Zusammenstellung der Entscheidungsgremien und so weiter.

Eine Übersicht und damit eine vollständige Visibilität ist aus unserer Sicht zwingend notwendig, um in einem zweiten Schritt diese heute noch zu schwach geschützten vernetzten Medtech Devices mithilfe von zusätzlichen Cyber Defence Tools adäquat vor Cyber-Angriffen schützen zu können. Dieser Schutz bedingt seitens des Betreibers zusätzliche Investitionen in die Beschaffung und den Betrieb.

Zukünftig sollten vernetzte Medizin- und Labortechnikprodukte die (Cyber)-Sicherheit der Prozesse und Daten, zum Beispiel Patientendaten, durch «Security by Design» selber gewährleisten und integral unterstützen. Natürlich werden die Betreiber für diese innovativen Produkte initial etwas höhere Beschaffungskosten einrechnen müssen. Durch die höhere Cyber-Resilienz der Geräte fallen dafür aber die Kosten für einen sicheren Betrieb während der geplanten Einsatzdauer tiefer aus. Wenn für eine Betriebsdauer von fünf bis zehn Jahren die Komplexität der Infrastruktur und die heute zahlreichen umliegenden zusätzlichen Cyber Security Tools reduziert werden können, werden die höheren Anschaffungskosten mehr als amortisiert – eine lohnenswerte Abwägung für die Beschaffungsorganisationen der Betreiber.

Welchen Handlungsbedarf ortest du bei den Herstellern von vernetzten Medizin- und Labortechnikprodukten?

Für die Hersteller bedeutet dies, die Sicherheit der Geräte und Prozessdaten schon in einer frühen Phase des Produktlebenszyklus miteinzubeziehen. Idealerweise werden Aspekte der Sicherheitselemente und Datenhoheit bereits beim Design des Produkts berücksichtigt.
Zentral ist das «Security by Design»-Prinzip: Hierbei geht es vereinfacht gesagt um die Berücksichtigung wichtiger Aspekte der IT-Sicherheit über den gesamten Produktlebenszyklus hinweg, also von der Produktidee bis zur Ausserbetriebnahme eines Produktes. Der Ansatz verfolgt die Prämisse, dass die notwendigen Sicherheitsmassnahmen nicht nur an der Peripherie, sondern vor allem innerhalb eines medizintechnischen Produkts, insbesondere in dessen Hard- und Software, umgesetzt werden. Diese Cyber Security-Aspekte wie zum Beispiel eine sichere Identifikation des Geräts, auditfähige Log-Informationen sowie sichere und rasche Update-Prozesse manifestieren sich interessanterweise auch in der Weiterentwicklung der entsprechenden Normen der Regulatoren. Dies begrüssen wir aus cyber-sicherheitstechnischen Überlegungen sehr.